Zellen

Ziele

Ursachen erforschen – Therapien entwickeln – Lebensqualität sichern

Das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum Berlin ist eine für Deutschland einzigartige Institution. Seit 1988 arbeitet hier ein internationales Team aus Ärzten, Grundlagenforschern und Epidemiologen. Das Institut  verfolgt dabei zwei grundsätzliche Forschungsrichtungen, eine biomedizinische und eine epidemiologische.

Pathophysiologie rheumatischer Entzündungen

Die Forscher in diesem Programmbereich, unter Leitung von Andreas Radbruch, untersuchen die zellulären und molekularen Mechanismen der Entstehung und Persistenz entzündlich-rheumatischer Erkrankungen. Ausgangspunkt der experimentellen Strategie ist die Beobachtung, dass Patienten mit entzündlich-rheumatischen und Autoimmunerkrankungen, die auf konventionelle Behandlungen nicht mehr ansprechen, geheilt werden können, wenn ihr Immunsystem vollständig zerstört und aus Stammzellen wieder aufgebaut wird. Das Immunsystem ist also Motor der entzündlich-rheumatischen Erkrankung, seine Rolle in der chronischen Entzündung damit das zentrale Forschungsthema.

Da meistens für Rheumapatienten eine komplette Zerstörung des Immunsystems wegen der Infektionsrisiken nicht in Frage kommt, konzentrieren die Biomediziner sich auf folgende Forschungsfragen

  1. Wie entsteht das Immunologisches Gedächtnis für rheumatische Entzündungen und wodurch wird es aufrecht erhalten? Welche Zellen sind dafür zuständlich? Wie unterscheiden sich „pathogene“ Gedächtniszellen von „protektiven“? Und können wir die „pathogenen“ selektiv zerstören und die „protektiven“ schonen?
  2. Welche physiologischen Regulationsmechanismen gibt es im Immunsystem und weshalb können diese die rheumatische Entzündung nicht verhindern oder beenden? Und schließlich: Können wir diese Regulationsmechanismen nicht stärken und benutzen um im Immunsystem der Rheumapatienten eine stabile Toleranz herzustellen?

Das Forschungsziel besteht darin, selektive und kurative Therapien für entzündlich-rheumatische Erkrankungen zu entwerfen. Um diese wirkungsvoll einsetzen zu können, entwickeln die Forscher zuverlässige prognostische Biomarker.

Die Rheuma-Forscher am DRFZ haben in den vergangenen Jahren bereits maßgeblich zu einem besseren Verständnis jener Vorgänge beigetragen, die zur Entgleisung des Immunsystems im Rahmen chronisch-entzündlicher rheumatischer Erkrankungen führen.

Epidemiologie und Versorgungsforschung

Mithilfe langfristig angelegter Studien zeigen die Wissenschaftler des zweiten Programmbereichs, der unter Leitung von Angela Zink steht, die ursächlichen Faktoren  für den Verlauf und die Prognose rheumatischer Krankheiten bei Erwachsenen und Kindern sowie Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer Versorgung auf.

Den Epidemiologen unseres Hauses gelang es, Daten von mehr als 30.000 deutschen Rheumapatienten zusammenzutragen – ein weltweit einzigartiger Datenpool, der viele wichtige Rückschlüsse auf die Versorgungssituation, Risikofaktoren, Marker für den Therapieerfolg unter modernen Rheumamedikamenten oder die Arbeitsfähigkeit von Rheumakranken zulässt.

Mit den Daten versuchen die Forscher immer wieder folgende Leitfragen zu beantworten:

  1. Wie wirken sich rheumatische Erkrankungen unter den Bedingungen der derzeitigen Gesundheitsfürsorge auf den Zustand und die Aussichten des Patienten aus? Und schließlich: Welche biologischen, klinischen  und sozialen Prädiktoren können wir erkennen?
  2. Wie sicher und effektiv sind die neu-entwickelte Therapien auf lange Sicht?

Die Wissenschaftler erfassen die Qualität der Versorgung Rheumakranker und decken Defizite in dieser Hinsicht auf, damit die Prognose, Diagnose und Therapie für Rheumapatienten verbessert werden kann.

Gemeinsames Ziel aller DRFZ Wissenschaftler ist es, mit ihren Forschungen zu einem besseren Verständnis rheumatischer Erkrankungen beizutragen, damit diese gezielt und schonend behandelt werden können. Dies ist ein faszinierendes und komplexes Unterfangen, dem sich die Rheumaforscher am DRFZ mit Leidenschaft und Erfolg zum Wohl der Rheumapatienten tagtäglich widmen.


„Ist Rheuma erst einmal chronisch geworden, ist es mit herkömmlichen Therapien nur unzureichend in den Griff zu bekommen. Der Grund: Das Immunsystem entwickelt ein Gedächtnis für die Entzündung, das den Krankheitsprozess unterhält, lange nachdem der ursprüngliche Auslöser eliminiert wurde.“
Andreas Radbruch, Wissenschaftlicher Direktor