5. Oktober 2010

Experimentelle Immunologie

Loehning

Das immunologische Gedächtnis kann den Organismus durch eine schnellere und effizientere Immunantwort vor Krankheiten schützen, die er zuvor schon einmal überstanden hat. Allerdings birgt es auch das Risiko, zu Immunpathologie und Autoimmunkrankheiten zu führen. Langlebige Gedächtnis-Lymphozyten sind Grundlage des immunologischen Gedächtnisses. Sie zeichnen sich aus durch eine verstärkte Reaktivität gegenüber Antigen sowie durch die „erlernte“ Fähigkeit zur Produktion ausgewählter Effektor-Moleküle, die die nachfolgende Immunreaktion steuern. Ein grundlegendes Verständnis des immunologischen Gedächtnisses ist von zentraler Bedeutung für die Entwicklung effizienter Impfstrategien sowie für kurative Therapien chronischer Immunpathologien und Autoimmunerkrankungen.

Ziel der Lichtenberg-Arbeitsgruppe ist daher eine molekulare Entschlüsselung der Entstehung, Beibehaltung und funktionellen Plastizität des immunologischen Gedächtnisses gegen Infektionserreger und Autoantigene. Wir untersuchen die zellulären Differenzierungswege und induktiven Signale bei der Entstehung von Gedächtnis-Zellen, d.h. den Zusammenhang zwischen der Bildung von Effektor-Zellen und Gedächtnis-Zellen sowie die Frage, ob und wie diese Differenzierungsstadien ineinander überführt werden können. Auch wird die Rolle von Antigen sowie von Interaktionen von B-Zellen, CD4+ Helfer-T-Zellen und CD8+ zytotoxischen T-Zellen bei der Entstehung und Beibehaltung dieses Gedächtnisses analysiert. Zudem untersuchen wir die molekularen Faktoren, die die Langlebigkeit der Gedächtnis-Zellen regulieren und die Stabilität oder Plastizität ihrer Effektormechanismen kontrollieren.

So konnten wir zeigen, dass das Zytokin und „Alarmin“ Interleukin-33 ein notwendiges Signal liefert, um eine schützende zytotoxische Effektor-T-Zellantwort gegen Virus-Infektionen auszubilden (Bonilla/Fröhlich et al., Science 2012). Zudem konnten wir die bei Parasiten-Infektionen ausgelöste Ko-Produktion der Schlüsseltranskriptionsfaktoren T-bet und GATA-3 als molekulare Grundlage der stabilen Differenzierung hybrider Th1/2-Zellen identifizieren, die Immunpathologien abschwächen können (Peine et al., PLoS Biology 2013).