Toleranz & Autoimmunität

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Ehlers

Einleitung

Toleranz gegen körpereigene Strukturen wieder herstellen

Höhere Wirbeltiere bis hin zum Menschen haben ein einzigartiges Immunsystem entwickelt, das nahezu alle Fremdstoffe spezifisch erkennen und bekämpfen kann. Zugleich werden körpereigene Strukturen und harmlose Fremdstoffe toleriert. Die Entwicklung von Pathogen-spezifischen Immunzellen, den B- und T-Zellen, unterliegt verschiedenen Kontrollmechanismen. An bestimmten Kontrollpunkten wird die Entwicklung oder Aktivierung potenziell selbstreaktiver Zellen blockiert, so dass die Toleranz gegenüber körpereigenen Strukturen gewährleistet wird. Eine Fehlfunktion in diesem System kann zur Entstehung von Autoimmunkrankheiten führen. Der Verlust von Toleranz beim Systemischen Lupus Erythematodes (SLE) führt zur Bildung von selbstreaktiven Antikörpern. Diese Autoantikörper bilden Immunkomplexe und akkumulieren in Organen wie der Niere, wo sie Entzündungsreaktionen und damit eine Schädigung der Niere auslösen.

Unsere Arbeitsgruppe untersucht einige dieser Kontrollmechanismen im Zusammenhang mit der Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie SLE, Rheumatoide Arthritis und Diabetes. So erforschen wir beispielsweise den Einfluss von Infektionen und evolutionär konservierten Rezeptoren (Toll-like Rezeptoren), die Erreger erkennen, auf die Entstehung von Autoimmunkrankheiten.

Unser besonderes Interesse in diesem Zusammenhang gilt der Bildung von selbstreaktiven Antikörpern. Unterschiedliche Stimulierungen induzieren verschiedene Klassen von Antikörpern, auch Immunglobuline genannt. Solche Isotypen von Immunglobulinen unterscheiden sich im jeweils konstanten Teil des Antikörpers. Diese konstanten Teile, die Fc-Fragmente, weisen unterschiedliche Bindungsspezifitäten und -affinitäten für aktivierende und hemmende Fc-Rezeptoren auf Zielzellen auf. Desweiteren definiert die Art der Verzuckerung der Fc-Fragmente eine inflammatorische oder anti-inflammatorische Immunantwort. Der induzierte Antikörper-Isotyp und die Verzuckerung definieren also die spezifische Immunantwort im Körper. An einem Lupus-Mausmodell untersuchen wir einerseits die Funktion der verschiedenen selbst-reaktiven Isotypen und deren Verzuckerung und was ein Klassenwechsel hin zu inflammatorischen Autoantikörpern bewirkt. Andererseits verfolgen wir im Hinblick auf eine bessere Behandlung von Lupuspatienten verschiedene Ansätze, um die Bildung von autoreaktiven inflammatorischen Antikörpern zu blockieren.
Um in Zukunft die Entstehung von Allergien und Autoimmunkrankheiten zu verhindern, induzieren oder erhöhen wir Toleranz gegenüber spezifische Allergene und Autoantigene. Außerdem stellen wir Antikörper zur Bekämpfung verschiedener Infektionserreger her.

Marc Ehlers

Prof. Dr. rer. nat. Marc Ehlers

Institut für Systemische
Entzündungsforschung
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck

Weitergehende Informationen finden Sie auf der Website des ISEF