Versorgungsforschung

Stärken erkennen – Schwächen aufspüren

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Einleitung

Patienten mit rheumatoider Arthritis geht es heute wesentlich besser als früher. Weitere Fortschritte sind möglich – durch gezielte Maßnahmen im Versorgungssystem.

Wie gut sind Patienten mit entzündlich-rheumatischen Krankheiten in Deutschland versorgt? Welche Lücken gibt es im Versorgungssystem? Dies sind Fragen, denen sich die Arbeitsgruppe Versorgungsforschung widmet.

Unsere Arbeitsgruppe ist für die seit 1993 bestehende bundesweite Kerndokumentation der Regionalen Kooperativen Rheumazentren verantwortlich. Alljährlich werden Daten von rund 17.000 Patienten mit entzündlich-rheumatischen Krankheiten systematisch erfasst.

In diesem Zusammenhang können wir beobachten, wie neue therapeutische Möglichkeiten und Änderungen der ärztlichen Leitlinien die Routineversorgung erreichen. Auch Versorgungsdefizite in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und Sozialstatus lassen sich so erkennen. Darüber hinaus werden Versorgungsunterschiede auf der Ebene einzelner Kliniken und Praxen sichtbar. Viele teilnehmende Einrichtungen nutzen unsere Befunde zur internen Qualitätssicherung, indem sie ihre Ergebnisse mit denen anderer dokumentierender Zentren vergleichen.

Die klinische Situation von Patienten mit rheumatoider Arthritis hat sich im Verlauf der letzten 15 Jahre eindrucksvoll verbessert – das geht zweifelsfrei aus unseren Auswertungen hervor. Eine geringe Krankheitsaktivität oder gar ein Stillstand der Krankheit galten früher als nahezu unerreichbare Ziele, heute werden sie bei der großen Mehrheit der Patienten erreicht. Das gilt nicht nur für die rheumatoide Arthritis, sondern auch bei chronischen rheumatisch-entzündlichen Systemerkrankungen wie den axialen Spondyloarthritiden. In vielen Fällen gehen die Erfolge auf einen früheren Therapiebeginn und den Einsatz moderner Arzneimittel, sogenannte Biologika, zurück.

Allerdings beobachten wir auch eine zunehmende Diskrepanz in der Bewertung der Krankheit: Während Ärzte häufig eine abnehmende Krankheitsaktivität registrieren, klagen ihre Patienten weiterhin über ausgeprägte Beschwerden. Dieser Trend nimmt seit einigen Jahren deutlich zu. Wir untersuchen derzeit die Gründe hierfür.

Unsere Arbeitsgruppe führt weitere Studien federführend durch. Hervorheben möchten wir folgende Projekte:

Die Früharthritis-Kohorte CAPEA (Course And Prognosis of Early Arthritis) zeigte, dass 40 Prozent der konventionell behandelten Patienten mit rheumatoider Arthritis innerhalb von sechs Monaten nach dem Auftreten erster Symptome eine klinische Remission, also ein vollständiges Nachlassen der Symptome, erreichen. Bei einem Drittel der Patienten jedoch kann die Krankheitsaktivität innerhalb der ersten beiden Jahre nicht ausreichend kontrolliert werden. Durch die Analyse von Biomarkern streben wir an, Patienten mit schlechter Krankheitsprognose zu identifizieren, um ihnen frühzeitig wirksame Therapieoptionen zu eröffnen.

Im Verbund PROCLAIR, den wir seit 2015 koordinieren, arbeiten wir mit den Universitäten Oldenburg und Dresden, der Charité Berlin sowie der Krankenversicherung BARMER GEK zusammen. Der Verbund wird vom Bundesforschungsministerium (BMBF) gefördert. In drei Teilprojekten werden Versicherte mit rheumatoider Arthritis, ankylosierender Spondylitis oder Arthrosen zu ihren Beschwerden befragt. Anschließend werden die Angaben mit Abrechnungsdaten zur Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen verknüpft. Dabei geht es um folgende Fragen: Welche Zusammenhänge bestehen zwischen subjektiven Beschwerden und dem Versorgungsgeschehen? Werden alle Patienten tatsächlich gleich gut behandelt oder lassen sich Unterschiede erkennen, die mit ihrem Alter, Geschlecht oder sozialen Status, ihrer Wohnregion oder der Fachrichtung des behandelnden Arztes zu tun haben? Erste Ergebnisse zeigen, dass Personen mit niedrigem Einkommen eine größere Krankheitslast durch Schmerzen und Gelenkschwellungen und eine schlechtere körperliche Funktion haben.

Im Verbund METARTHROS (Metabolic Impact on Joint and Bone Diseases), das ebenfalls vom BMBF gefördert wird, sind wir mit einem Teilprojekt vertreten. An unterschiedlichen Kohorten untersuchen wir den Einfluss von Übergewicht und Diabetes auf den Verlauf von rheumatoider Arthritis und juveniler idiopathischer Arthritis. Erste Ergebnisse zeigen, dass Frauen – nicht aber Männer – bereits zu Beginn der rheumatoiden Arthritis häufiger übergewichtig sind als die altersgleiche Normalbevölkerung. Dies unterstützt die Hypothese, dass Übergewicht eine Rolle bei der Entstehung der Krankheit spielt.

Ausgewählte Publikationen

Albrecht K, Huscher D, Buttgereit F, Aringer M, Hoese G, Ochs W, Thiele K, Zink A. Long-term glucocorticoid treatment in patients with polymyalgia rheumatica, giant cell arteritis, or both diseases: results from a national rheumatology database. Rheumatol Int. 2017 Nov 9. [Epub ahead of print]

Albrecht K, Luque Ramos A, Hoffmann F, Redeker I, Zink A. High prevalence of diabetes in patients with rheumatoid arthritis: results from a questionnaire survey linked to claims data. Rheumatology (Oxford). 2017 Nov 7. [Epub ahead of print]

Callhoff J, Luque Ramos A, Zink A, Hoffmann F, Albrecht K. The Association of Low Income with Functional Status and Disease Burden in German Patients with Rheumatoid Arthritis: Results of a Cross-sectional Questionnaire Survey Based on Claims Data. J Rheumatol. 2017;44:766-772.

Albrecht K, Luque Ramos A, Callhoff J, Hoffmann F, Minden K, Zink A. Ambulante Versorgung und Krankheitslast der rheumatoiden Arthritis. Eine Analyse von Abrechnungsdaten und einer Versichertenbefragung. Z Rheumatol 2017 Mar 21. [Epub ahead of print]

Albrecht K, Huscher D, Eidner T, Kleinert S, Späthling-Mestekemper S, Bischoff S, Zink A. Versorgung der rheumatoiden Arthritis 2014. Aktuelle Daten aus der Kerndokumentation. Z Rheumatol 2017;76:50-57.

Mitarbeiter

Gruppenleiterin
Prof. Dr. Angela Zink

Stellvertretende Gruppenleiterin
Dr. med. Katinka Albrecht

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen
Dr. rer. medic. Johanna Callhoff
Dr. rer. medic. Dörte Huscher
Imke Redeker, M.Sc.

Medizinische Dokumentare / Technische Mitarbeiter
Sabine Achtelstetter
Sascha Bischoff, B.A.
Dipl.-Soz. tech. Gregor Förster
Dipl.-Soz. tech. Katja Thiele

Kooperationspartner

Dr. Tobias Alexander, Charité - Universitätsmedizin Berlin

Dr. Rieke H. E. Alten, Schlosspark-Klinik, Berlin

Prof. Dr. Martin Aringer, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Dr. Frank Behrens, Centrum für innovative Diagnostik und Therapie, Frankfurt

Dr. Andreas Bruckner und Dr. Markus Röser, ZIRS - Zentrum für interdisziplinäre Rheumatologie Stuttgart

Prof. Dr. Harald Burkhardt, Universitätsklinikum Frankfurt

Prof. Dr. Frank Buttgereit, Charité - Universitätsmedizin Berlin

Prof. Dr. Dr. Thomas Dietrich, University of Birmingham

Dr. Edmund Edelmann, Rheumazentrum Bad Aibling

Dr. Thorsten Eidner, Universitätsklinikum Jena

Prof. Dr. Erika Gromnica-Ihle, Deutsche Rheuma-Liga, Berlin

Prof. Dr. Klaus-Peter Günther, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden

Dr. Jörg Henes, Universitätsklinikum Tübingen

Dr. Ulrich von Hinüber, Dr. Winfried Demary und Dr. Bettina Linhart, Rheumatologie und Osteologie, Hildesheim

Dr. Guido Hoese, Rheumapraxis, Stadthagen

Prof. Dr. Falk Hoffmann, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Dr. Kirsten Karberg, Praxis für Rheumatogolgie und Innere Medizin, Berlin

Dr. Stefan Kleinert und Dr. Florian Schuch, Praxisgemeinschaft Rheumatologie Nephrologie Erlangen

Prof. Dr. Ina Kötter, Asklepios Klinik Altona, Hamburg

Prof. Dr. Andreas Krause, Immanuel Krankenhaus Berlin

Dr. Wolfgang Ochs, Internistisch-rheumatologische Praxisgemeinschaft, Bayreuth

PD Dr. Jutta Richter, Universitätsklinikum Düsseldorf

Prof. Dr. Gabriela Riemekasten, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck

Prof. Dr. Georg Schett, Universitätsklinikum Erlangen

Prof. Dr. Jochen Schmitt, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden

Prof. Dr. Matthias Schneider, Universitätsklinikum Düsseldorf

Dr. Susanna Späthling-Mestekemper, Rheumapraxis München-Pasing

Dr. Siegfried Wassenberg, Dr. Ralf Weier und Dr. Benjamin Köhler, Rheumazentrum Ratingen

Prof. Dr. Angela Zink

Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin
Versorgungsforschung
Charitéplatz 1
10117 Berlin

Tel. +49 (0)30 28460-622
Fax +49 (0)30 28460-626
zink@drfz.de

Stichworte
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Ausgewählte Ergebnisse
Kerndokumentation 2016

Informationen für Patienten
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