Startseite Aktuelles Veranstaltungen Tag der Immunologie am 29. April – DRFZ vs SARS-CoV-2

Tag der Immunologie am 29. April – DRFZ vs SARS-CoV-2

SARS-CoV-2 Forschung am DRFZ

Der Tag der Immunologie ist eine Initiative der Europäischen Föderation der Immunologischen Gesellschaften (European Federation of Immunological Societies, EFIS) und hat 2005 zum ersten Mal stattgefunden. Seit 2007 wird dieser Tag international gefeiert – auch das DRFZ beteiligt sich alljährlich daran. Andreas Radbruch, Wissenschaftlicher Direktor des DRFZ, ist der aktuelle EFIS Präsident.
DGfI:

"Der Tag der Immunologie bietet eine ausgezeichnete Möglichkeit, auf die Bedeutung der Immunologie im Kampf gegen Infektionen, Autoimmunität und Krebs hinzuweisen und den Nutzen immunologischer Forschung zu vermitteln."

Bisher waren an diesem besonderen Tag immer mehrere Schulklassen zu Gast am DRFZ. In einem echten Labor konnten die Schüler*innen eigene Experimente machen und lernten die Immunzellen des Menschen kennen.
 
Das Motto für 2021 ist COVID-19. Am DRFZ stehen Handwerkszeug und Expertise zur detaillierten Erforschung von Immunität zur Verfügung. Im Folgenden werden die aktuellen Projekte zur Erforschung von SARS-CoV-2  vorgestellt.

AG Radbruch: Unsere Studien haben gezeigt, dass SARS-CoV-2-reaktive Gedächtnis-CD4+ T-Zellen bei Personen gefunden werden können, die nie zuvor mit SARS-CoV-2 infiziert waren. Diese Zellen exprimieren kein IL-21 und TGF-ß, anders als bei Patienten mit einer schweren Covid-19 Erkrankung, die mit einer TGF-ß-dominierten chronischen Immunantwort einhergeht (s. AG Mashreghi). Derzeit führen wir Untersuchungen durch, um SARS-CoV-2 reaktive T-Zellen weiter zu charakterisieren.


© Jacqueline Hirscher

AG Strangfeld: Der Aufbau der Globalen/Europäischen COVID-19-Datenbank (einschließlich des deutschen C19-Registers) war sehr erfolgreich. Derzeit liegen Daten von über 16.000 Patient*innen mit rheumatischen Erkrankungen (RMD) vor, darunter >200 Kinder.

Unsere Analysen zeigten, dass die Risikofaktoren für einen schweren oder tödlichen Verlauf von COVID-19 bei RMD-Patient*innen denen der Allgemeinbevölkerung gleichen: höheres Alter >65 Jahre, männliches Geschlecht und Komorbiditäten. Als zusätzlicher spezifischer Risikofaktor von RMD-Patient*innen wurde ein hohes Level entzündlicher Krankheitsaktivität ermittelt. Dies unterstreicht die enorme Bedeutung einer adäquaten Krankheitskontrolle besonders auch während der Pandemie. Die für das Erreichen einer Remission oder zumindest geringen Krankheitsaktivität erforderliche Therapie sollte bei RMD Patient*innen deshalb weiterhin fortgesetzt bzw. gegebenenfalls intensiviert werden.


© Jacqueline Hirscher

AG Minden: Aktuelle Daten aus der Kinder-Kerndokumentation legen nahe: Kinder mit Rheuma haben einen milden Covid-19 Krankheitsverlauf, auch unter verschiedenen immunhemmenden Medikamenten . Die SARS-CoV-2-Infektion scheint dabei keinen relevanten Einfluss auf die zugrundeliegende Krankheitsaktivität zu haben.


© Jacqueline Hirscher

AG Kruglov: Wir untersuchen das Zusammenspiel zwischen SARS-CoV-2, dem Immunsystem und der Mikrobiota während einer schweren Covid-19-Erkrankung. Ein schwerer Krankheitsverlauf ist durch ein signifikantes Ungleichgewicht mit der Verminderung potenziell nützlicher Bakterien und dem Auswachsen opportunistischer Bakterien gekennzeichnet. Daher glauben wir, dass die Wiederherstellung der Mikrobiota einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 hat. Wir entwickeln derzeit Strategien für die Auswahl von Bakterien, die diese nützliche Rolle übernehmen könnten.


© Jacqueline Hirscher

AG Chang: Um zu verstehen, ob und inwiefern die Darmbakterien die Immunantwort gegen das SARS-Cov-2 Virus beeinflussen, analysieren wir in Kooperation mit der AG Mei Stuhlproben von verschiedenen Altersgruppen von Patient*innen und Gesunden und korrelieren die Zusammensetzung der Darmflora mit der ausgelösten Immunantwort nach der Impfung.


© Jacqueline Hirscher

AG Mei: Mit Hilfe der Massenzytometrie wollen wir die Immunantwort bei einer SARS-CoV2-Infektion verstehen und bestimmen was schiefläuft, wenn die Infektion einen schweren Verlauf nimmt. Die Massenzytometrie ermöglicht dabei eine detaillierte Analyse der Zellen des Immunsystems, denn mit dieser Methode können die Eigenschaften großer Mengen von Immunzellen aus dem Blut sehr genau bestimmt werden. Das Massenzytometrie-Labor des DRFZ hat zu wichtigen Einzelzell-Studien beigetragen, die Charakteristika des angeborenen und adaptiven Immunsystems bei COVID-19 Erkrankungen offengelegt haben.

Zurzeit werden in Zusammenarbeit mit verschiedenen Arbeitsgruppen deutschlandweit die Prägung weiterer Zelltypen bei COVID-19 und Impfung gegen das Coronavirus untersucht. Weiterhin verfolgen wir die Vorhersage schwerer COVID-19 Verläufe mit dem Ziel, Patient*innen mit einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf bereits früh in geeigneter Weise behandeln zu können.


© Jacqueline Hirscher

AG Mashreghi: Um die Immunreaktion, die bei schweren Fällen von COVID-19 auftritt, besser zu verstehen, analysierten wir Plasmablasten von Patient*innen, die auf der Intensivstation stationär behandelt wurden, zu verschiedenen Zeitpunkten nach ihrer Aufnahme. Dabei konnten wir beobachten, dass sich im Laufe der Zeit die frühe, durch SARS-CoV-2 induzierte Interferon-gesteuerte Reaktion in eine chronische, TGF-β-dominierte adaptive Immunantwort verändert. Bemerkenswert ist, dass diese Antwort nicht mehr gegen SARS-CoV-2 gerichtet ist, da keine schützenden TGF-β-induzierten Antikörper (IgA2) in der Zirkulation gefunden werden konnten und keine IgA2-Plasmablasten in die Lungen von schwer erkrankten Patient*innen wandern.


© Jacqueline Hirscher

AG Diefenbach: Wir untersuchen, wie Natürliche Killerzellen (NK Zellen) auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 reagieren. Wie unterscheidet sich diese Antwort bei Patient*innen, die an COVID-19 schwer erkranken und den Menschen, deren Immunsystem die Infektion kontrollieren kann? Unser Fokus liegt auf den sogenannten „Effektorfunktionen“ der NK Zellen. Wir möchten herausfinden, welche Signalwege zu Dysfunktionen dieser Zellen bei der Abwehr des Virus führen und diese dann nutzen, um spezifische Therapien zu entwickeln.


© Jacqueline Hirscher

AG Hauser: Mit Hilfe sogenannter „Multiplex-Mikroskopie“ kombiniert mit genetischen Analysen untersuchen wir, wie sich das Lungengewebe bei schwer an COVID-19 erkrankten PatientInnen durch die Entzündung verändert. Wir haben so bereits die Immunzellen charakterisiert, die während der Entzündung in die Lunge einwandern. Wir fanden dabei einen räumlichen Zusammenhang zwischen bestimmten Zelltypen und krankhaften Veränderungen des Lungengewebes (FIbrose).


© Jacqueline Hirscher

AG Niesner: In Kooperation mit Helena Radbruch (Neuropathologie, Charité) und der AG Hauser untersuchen wir bestimmte Immunzellen (Neutrophile), die bei COVID-19-Infektionen eine Rolle spielen. Wir verwenden dafür Blutproben von leicht und von schwer an COVID-10 erkrankten Patient*innen und ein Modellsystem der menschlichen Lunge. Wir wollen herausfinden, warum und wie es teilweise zu schweren Krankheitsverläufen kommt.


© Jacqueline Hirscher

__________

Weitere Hintergrundinformationen und Links zu den Original-Publikation speziell zur SARS-CoV-2 Forschung am DRFZ:

Immunologie

Das Feld der Immunologie umfasst viele verschiedene Forschungsfelder in der Gesundheitsforschung und ist regional und international gut vernetzt.

Deutsche Gesellschaft für Immunologie, DGfI
Tag der Immunologie bei der DGfI
European Federation of Immunilogy, EFIS
Der wissenschaftliche Direktor am DRFZ - Prof. Andreas Radbruch - ist aktuell der Präsident der EFIS
International Union of Immunological Societies
Weltverband der Immunologischen Fachgesellschaften
Seite drucken
Seite teilen
DRFZ NewsFlash abonnieren