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Fatigue betrifft viele Rheumapatient:innen

Bild zur Veröffentlichung über Fatigue

Trotz verbesserter Entzündungskontrolle leiden über 50% der Rheumapatient:innen unter Erschöpfung und Müdigkeit

Viele Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen leiden unter einer starken, anhaltenden Erschöpfung bzw Müdigkeit. Trotz deutlicher Fortschritte in der Kontrolle entzündlicher Aktivität bleibt Fatigue ein häufiges und klinisch relevantes Symptom: Etwa 55–67 % der Patient:innen sind betroffen, bis zu 26 % sogar in schwerer Form. Wissenschaftlerin Katja Thiele aus der AG Versorgungsforschung unter Leitung von Dr. Johanna Callhoff vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) veröffentlichte diese Ergebnisse gemeinsam mit Kolleg:innen und Rheumatolog:innen aus der Kerndokumentation im Februar 2026 in der internationalen Fachzeitschrift Seminars in Arthritis and Rheumatism.

Für die Analyse wurden jährliche Daten von knapp 10.000 Patient:innen aus der bundesweiten Kerndokumentation ausgewertet. Katja Thiele konnte zeigen, dass mehr als die Hälfte der Betroffenen mit unterschiedlichen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen – von rheumatoider Arthritis über Spondyloarthritiden bis hin zu Kollagenosen und Vaskulitiden – über eine mäßige bis schwere Fatigue berichtet. Je nach Diagnose waren 47–61 % der Frauen und 35–52 % der Männer betroffen. Die Trendanalyse der Fatigue-Angaben aus den Jahren 2007 bis 2023 ergab zudem, dass die durchschnittliche Fatigue-Belastung trotz deutlicher Verbesserungen der entzündungsabhängigen Marker und einer steigenden Erwerbsbeteiligung insgesamt unverändert blieb.

Die Verlaufsanalyse über drei aufeinanderfolgende Jahre zeigte: 23 % der Patient:innen wiesen eine anhaltend hohe Fatigue auf, bei 24 % verschlechterte sie sich, bei 19 % besserte sie sich, und 35 % berichteten über eine dauerhaft geringe Fatigue. Emotionales Wohlbefinden, körperliche Funktionsfähigkeit, Bewältigungsstrategien und Schlafqualität standen dabei in einem stärkeren Zusammenhang mit dem Fatigueverlauf als entzündliche Laborparameter.

„Die Verläufe von Fatigue spiegeln das komplexe Zusammenspiel klinischer und psychosozialer Faktoren wider“, fasst Katja Thiele die Relevanz ihrer Ergebnisse zusammen. „Die Behandlung sollte multidimensionale Interventionen umfassen, die über die traditionelle Entzündungskontrolle hinaus auch das emotionale Wohlbefinden, die körperliche Funktionsfähigkeit und die soziale Unterstützung berücksichtigen.“

Grafik: Adobe Stock (332624215)