Startseite Aktuelles DRFZ vs SARS-CoV-2 News von Andreas Radbruch zum Coronavirus

News von Andreas Radbruch zum Coronavirus

Webinare, Interviews, Artikel

Der Ausbruch und die Ausbreitung des Coronavirus verändern das Leben in der ganzen Welt. Es gibt inzwischen viele Informationen und noch immer viele Fragen. Wissenschaftler können Antworten geben – hier dokumentieren wir aktuelle Veröffentlichungen des wissenschaftlichen Direktors des DRFZ mit Bezug zur Corona-Pandemie.

Interview von t-online mit Prof. Andreas Radbruch

Weshalb eine Erkältung vor Covid-19 schützen könnte (only in German)

Quelle: t-online , Von Melanie Weiner, 19.09.2020, 13:35 Uhr

Warum manche Covid-19-Patienten schwer erkranken und auf der Intensivstation landen, ist noch immer unklar. Im Interview erklärt ein Experte, welche wesentliche Rolle das Immunsystem spielen könnte.

Der Immunologe Professor Dr. Andreas Radbruch hat bereits im t-online-Podcast “Tonspur Wissen” über die Auswirkungen des Coronavirus auf den Körper gesprochen. Im Interview erklärt er nun, warum das Immunsystem eine Covid-19-Erkrankung noch verschlimmern kann und was er von der aktuellen Forschungsarbeit zur Bradykinin-Hypothese hält.

t-online: Herr Professor Radbruch, neue Forschungen zeigen, dass Hormone für viele schwere Covid-19-Fälle verantwortlich sein könnten. Die sogenannte Bradykinin-Hypothese besagt, dass das Coronavirus körpereigene Funktionen wie die Regulierung des Blutdrucks durcheinanderbringt und zu einer Überreaktion des Immunsystems führt. Wie schätzen Sie als Immunologe diese Theorie ein?

Prof. Radbruch: Ich bin etwas überrascht über den Widerhall dieser Studie in den öffentlichen Medien. An sich ist das relativ trivial. Denn die Immunreaktion bei Covid-19-Patienten kann zu einer Entzündung führen und die ist eben von gefäßerweiternden Hormonen begleitet. In diesem Fall ein sogenanntes Peptid-Hormon mit dem schönen Namen “Bradykinin”. Dieses ist nicht sehr viel anders als Histamin. Eine holländische Forschungsgruppe hat bereits im April diese Hypothese aufgebracht und Bradykinin ins Spiel gebracht. Die neue US-Studie hat einfach nur die Untersuchung anderer ausgewertet und aufs Papier geschrieben.

Den Studienautoren zufolge stellt der Körper immer weiter Bradykinin her, das nicht abgebaut werden kann. Ein “Bradykinin-Sturm” soll dann verantwortlich für viele Todesfälle bei Covid-19-Patienten sein. Finden Sie das plausibel?

Ich finde, das kann man nicht als Sturm bezeichnen. Ich sehe das eher als eine Reflexion der andauernden Krankheit, die sich über Wochen und Monate hinziehen kann. Die Patienten sind leider teilweise sehr lange auf der Intensivstation. Das zeigt für mich, dass dort eine schwere Entzündung im Gange ist. Ob das Coronavirus konstant die Zellen dazu bringt, Bradykinin herzustellen, das ist vollkommene Spekulation.

Es ist auch sehr schwer, das Bradykinin nachzuweisen. Das ist in der Studie gar nicht passiert. Wenn sie wenigstens gemessen hätten, dass das Bradykinin selbst vor Ort extrem hoch konzentriert ist, dann hätte man einen Beleg.

Auch von einem “Zytokin-Sturm” wurde in vorherigen Arbeiten gesprochen …

Damit sind Entzündungszytokine gemeint, die plötzlich in großer Menge ausgeschüttet werden. Es gab eine Literatur, die behauptet hat, dass Covid-19-Patienten dadurch eine Sepsis, also eine Blutvergiftung, erleiden. Der Effekt ist vergleichbar mit einem anaphylaktischen Schock: Wenn man allergisch ist, kann es unter Umständen passieren, dass der Stich einer Biene reicht, um einen umzubringen.

Ich denke aber, dass es auch hier nicht passend ist, das als Sturm zu bezeichnen. Denn die Patienten sind ja gar nicht in einer stürmischen, sondern einer chronischen Entzündungssituation. Ein Sturm würde ja wieder vorbeigehen. Kommt dann eine Sepsis hinzu, ist das sehr gefährlich. Am Anfang ist sie extrem heftig und dann erholt man sich davon − oder eben nicht. Es ist heute noch ein riesiges medizinisches Problem, eine Sepsis zu beherrschen.

Stimmt es, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt und Männer eher anfällig für Überreaktionen des Immunsystems sind?

Ja, es scheint so zu sein, dass die Reaktionen bei Frauen milder ausfallen. Männer reagieren da heftiger. Die Ursachen dafür sind aber noch unklar.

Das ist auch bei Autoimmunerkrankungen so, einige davon bekommen vorwiegend Männer, andere eher Frauen. Bei Frauen ist das Ganze ausbalancierter. Bis heute weiß man nicht genau, warum zum Beispiel vorwiegend Frauen Lupus bekommen und nicht auch mindestens genau so viele Männer.

Sie selbst haben in einem Forschungsteam die Immunantwort der Covid-19-Patienten auf der Intensivstation der Charité in Berlin untersucht. Was sind Ihre Erkenntnisse?

In unserem Manuskript beschreiben wir, dass das Coronavirus eine chronische Immunreaktion anstößt. Bei den schwer erkrankten Patienten, die wir auf der Intensivstation der Charité anschauen, verschwindet das Virus nach einer gewissen Zeit – aber die Immunreaktion und somit die Entzündung gehen weiter. Der Körper versucht, die Immunreaktion abzubremsen, aber er schafft es nicht. Warum das bei einigen Covid-19-Patienten so ist und bei anderen nicht, das ist immer noch ein großes Rätsel. Man kann davon ausgehen, dass es damit zusammenhängt, wie das Immunsystem des Infizierten mit dem Virus umgeht. Ob es einen Weg findet, das Coronavirus effizient und schnell zu klären oder eben nicht.

Wir vermuten auch, dass eine Autoimmunreaktion ausgelöst wird. Es gibt viele Krankheiten wie chronische Darmentzündungen, wo das Immunsystem gegen eigene Bestandteile reagiert, gegen die es aber nicht reagieren sollte. Das Zytokin, das wir angeguckt haben, heißt TGF-β. Die Patienten entwickeln im Laufe der Zeit immer mehr davon, die Zellen in der Lunge sind zum Beispiel voll damit. Eigentlich sollte das Zytokin die Immunreaktionen unterdrücken, doch das geschieht nicht. Die Patienten werden dann mit Medikamenten behandelt, um die Symptome in den Griff zu bekommen. Doch das Zytokin hat auch die unfreundliche Seite, dass es zu Vernarbungen im Lungengewebe führen kann. Das ist eine Nebenwirkung, die schon früher bei schweren Verläufen von Covid-19 beschrieben wurde.

Daraus können also dann Langzeitschäden entstehen …

Ja genau, die Schleimhäute können vernarben. Das Gewebe ist dann mitunter nicht mehr funktionsfähig.

Spielt es eine Rolle bei der Schwere der Erkrankung, wie gestärkt das Immunsystem vor der Infektion ist?

Patienten, die unter einem unterdrückten Immunsystem leiden, zum Beispiel bei Rheuma, wird nicht empfohlen, die Immunsuppression aufzuheben. Sie sollten ihre Medikamente weiterhin einnehmen. Es scheint also doch etwas anderes zu sein, ob man eine chronische Entzündung hemmt oder eine akute Immunreaktion gegen einen Erreger hat. Da gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass diese Patienten mit unterdrücktem Immunsystem schlechter auf das Virus reagieren.

Es scheint eher so zu sein, dass die meisten Corona-Infizierten schon eine Art Vorprägung haben, weil der Körper so etwas Ähnliches mit verwandten Erregern bereits durchgemacht hat. Das Immunsystem besitzt dann Gedächtniszellen. Hat jemand eine Infektion mit anderen Erkältungsviren durchgemacht, kann es also sein, dass er sehr schnell und effizient auf SARS-CoV-2 reagiert. Die Patienten hingegen, die das nicht tun, die sind schlimm dran. Das scheint sehr viel entscheidender zu sein, ob jemand auf die Intensivstation muss oder nicht. Auch die Dosis des Erregers, seine Lebendigkeit und seine Fähigkeit, in die Tiefen der Lunge vorzudringen, entscheiden über den Verlauf.

Vielen Dank für das Gespräch, Prof. Radbruch!

Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zum Stop der Impfstoff-Studie von AstraZeneca

RND-Videoschalte: “Bei den Wissenschaftlern schrillen die Alarmglocken”
09. September 2020

Im RND-Interview erklärt der Immunologe Andreas Radbruch, Wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin und Präsident der Europäischen Föderation der Immunologischen Fachgesellschaften, ob es einen Zusammenhang zwischen Krankheit und Impfung geben könnte – und was das für die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs bedeutet

link zum Video

Quelle: www.rnd.de

Webinar with Andreas Radbruch, initiated by IUIS, the International Union of Immunological Societies

Adaptive Immunity: Memory, Protection and Immunopathology in COVID-19
11. Mai 2020, (Link below)
  • What do we know about the adaptive immune reaction to Sars-CoV-2?
  • Why do humans react so heterogeneously to Sars-CoV-2?
  • Does the adaptive immune system provide protection and for how long?
  • How can we challenge the system with a vaccine to establish longlasting, efficient immunity

Recording of the talk here

Source: https://iuis.org

Zeitungsbeitrag mit Kommentaren von Andreas Radbruch

Coronavirus Strategie - Wie sinnvoll ist der schwedische Sonderweg?
21. April 2020

Strategies to fight the corona pandemic – is the Swedish way reasonable?
Repeatedly, Sweden is used as a reference when it comes to a different – supposedly better – approach to fight the corona pandemic. For good reason?

In German only

Ein Beitrag zum Thema am Beispiel Schweden

Quarks.de/Gesundheit/Medizin

Interview - Immunologe Andreas Radbruch zu Covid-19:

Impfstoffe gegen das neue Coronavirus gibt es schon

10. April 2020, von Melanie Weiner, t-online.de

“Rund um das Coronavirus gibt es viele offene Fragen. Weltweit forschen Wissenschaftler an neuen Tests, Medikamenten und Impfstoffen gegen SARS-CoV-2. Ein Experte erklärt, welche Ansätze es gibt und wie zuverlässig die Tests sind.
Der Rheumatologe und Immunologe Prof. Dr. Andreas Radbruch ist aktuell ein gefragter Mann. Nachdem er bereits im Podcast “Tonspur Wissen” zu Gast war, spricht im Interview mit t-online.de über die Impfstoffentwicklung, mögliche Immunität bei Genesenen und die Vor- und Nachteile der einzelnen Testverfahren.  … “

Interview mit Prof. Dr. Andreas Radbruch, Wissenschaftlicher Direktor am DRFZ und Präsident der EFIS, European Federation of Immunological Societies

Zellsortierung zur Erforschung des immunologischen Gedächtnisses und die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Immunologie

Ein Beitrag zu den Methoden und dem Forschungshintergrund am DRFZ. Dieser Beitrag ist nicht direkt zum Thema Corona. Er gibt aber Einblick in den Stand der Erforschung des Immunsystems und warum es bei verschiedenen Erkrankungen entgleisen kann und den eigenen Körper angreift, anstatt ihn zu schützen.

(Nur auf Englisch verfügbar)

Interview with Andreas Radbruch

Source: “Flowcytometry News” of BD Biosciences

Podcast - Tonspur Wissen, Leibniz-Gemeinschaft und t-online.de

Andreas Radbruch beantwortet Fragen zum Coronavirus

23. März 2020

Wie genau das Coronavirus den Körper befällt, welche Art der Medikamentensuche wahrscheinlich die schnellste wäre und was man aus Coronafällen in China und Australien lernen kann, erläutert Prof. Andreas Radbruch in einem von der Leibniz-Gemeinschaft und t-online.de initiierten Podcast im Gespräch mit der Moderatorin Ursula Weidenfeld.

Folge 4: Corona-Frage: Wie reagiert das Immunsystem auf das Coronavirus?

Quelle: www.leibniz-gemeinschaft.de

Seite drucken
Seite teilen